Lawinengefahr
Seit Tagen herrscht in vielen Teilen des Landes Schneechaos und heftige Schneefälle bescheren den Alpen hohe Lawinengefahr. Ergiebige Schneeneufälle, starke Erwärmung sowie Temperaturschwankungen und Wind sind die "Baumeister" von Lawinen. Neben der Setzung der Schneekörner durch Druck und Schwerkraft sind diese Faktoren ausschlaggebend für die Entstehung einzelner Schichten einer Schneedecke. Je unterschiedlicher diese Lagen sind, desto leichter kann diese Bindung reißen und eine Schneebrettlawine auslösen.
Gefahren bringende Schneearten
Besonders Gefahren bringende Schneearten sind der durch Wind beeinflusste Packschnee, sehr wasserhaltiger Pappschnee, Schwimmschnee (der im Bodenbereich wie ein Kugellager wirkt), Eislamellen als eingeschneite Gleitschicht oder Oberflächenreif.
Überlebenschancen von Verschütteten
Durch die großen Zug- und Drehkräfte, die entstehen, da sich Schneemassen an der Oberfläche schneller bewegen als darunter liegende, sterben etwa 20 % aller Verschütteten bereits bis zum Stillstand der Lawine. Nach 30 Minuten leben nur noch rund 30 %, wovon nach weiteren eineinhalb Stunden der Großteil seinen Verletzungen erliegt, erstickt oder erfriert. Mehr als zwei Stunden nach dem Abgang einer Lawine werden laut ExpertInnen durchschnittlich nur noch drei Prozent der Verschütteten lebend geborgen.
Opfer durch Leichtsinn
Trotz Sicherheitsmaßnahmen der Arbeitsgemeinschaft der Lawinenwarndienste Österreichs sterben nach wie vor die meisten Opfer durch Leichtsinn. Ein friedlicher Hang kann sich in Sekundenschnelle als tödliche Falle herausstellen. Wenn man allein unterwegs ist, sinkt zudem die Überlebenschance auf Null. Ohne Augenzeugen des Unglücks ist eine rechtzeitige Bergung meist unmöglich. Dabei wären rund 90 % der Lawinenunfälle bei SkifahrerInnen vermeidbar - wenn die elementarsten Grundregeln befolgt würden.
Quelle: APA/ZukunftWissen
Lawinenunfälle vermeiden! Was tun?
Vor jeder Tour unbedingt den Lawinenlagebericht lesen. Es gilt die Regel "Gefahrenstufe rauf - Steilheit runter", das heißt, dass man sich bei Gefahrenstufe 2 (also mäßiger Lawinengefahr) in bis zu 40 Grad steile Hänge wagen kann. Bei erheblicher Gefahr (z.B. Stufe 3) sollte keine Abfahrt steiler als 35 Grad sein. Um das Gefälle richtig einzuschätzen gilt die Faustregel, dass Rinnen im felsdurchsetzten Gelände 40 Grad und steiler sind.
Das Verhalten bei der Abfahrt selbst ist ebenfalls wichtig. Es sollten nie alle zusammen losfahren sondern einer nach dem anderen. Je mehr Skifahrer Spuren ziehen, desto größer ist die Belastung auf die Schneedecke.
Eine weitere wichtige Grundregel ist: Niemals allein und ohne Notfallausrüstung die Piste verlassen. Zur Ausrüstung gehört ein LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät), eine Rucksackschaufel und eine Lawinensonde. Und zuletzt sollte man immer auf sein Gefühl vertrauen, wenn einem beim Gedanken an die Abfahrt mulmig wird, ist es besser, es sein zu lassen.

Bilder von links nach rechts: Bergrettungsübung im Einsatz gegen den Lawinentod mit Puppe, Schneebrettlawine bei Kaprun in Salzburg und Bergretter beim Sondieren im Schneesturm. Bildquelle: Gerald Lehner, www.bergrettung.at
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