Mindeststandards für Nachhaltige Sprachförderung
Im Rahmen der Tagung "Nachhaltige Sprachförderung" am 28. und 29. Februar 2008 wurden auf der Grundlage der Expertise von 41 geladenen ReferentInnen und der über 450 TeilnehmerInnen Mindeststandards für nachhaltige Sprachförderung formuliert. Mehrsprachigkeit als allgemeines Bildungsziel ist eines der Hauptanliegen der "Mindeststandards für das Bildungswesen in einer Zuwanderungsgesellschaft". Zuwanderung bedeutet für Österreich eine kulturelle und sprachliche Bereicherung, vor allem wenn Integration als gegenseitiger Lern- und Entwicklungsprozess begriffen und die Mehrsprachigkeit als Ressource wahrgenommen wird. MigrantInnen brauchen die Möglichkeit, an allen Bereichen der Gesellschaft teilzuhaben, darin waren sich die TeilnehmerInnen der interdisziplinären Fachtagung einig. Das ist nur durch eine Sprachförderung möglich, die mit einer sozialen und beruflichen Eingliederung einhergeht.
Ebenso wichtig ist eine Vielfalt der sprachlichen Angebote. Sie ist durch eine Differenzierung bestehender Angebote zu erreichen und verzichtet besser auf Normierung bei Sprachkursen und Prüfungen. Univ. Prof. Krumm von der Universität Wien dazu: "Prüfungen dürfen nicht aus einem pädagogischen Kontext herausgelöst werden und mit anderen Kontexten, wie z.B. rechtlichen Konsequenzen, verknüpft werden". Er weist damit auf die Problematik hin, dass Deutschlernen in der Integrationsvereinbarung mit erheblichen Sanktionen einhergeht.
Eine weitere Forderung für zukunftsgerichtete Sprachförderung besteht in der Wahrnehmung der Kompetenzen von MigrantInnen und der Nutzung bestehender Ressourcen. Anders- und mehrsprachige Eltern sind wichtige Ressourcen für die Schule. Eine weitere Ressource sind pädagogische Fachkräfte, die in mehrsprachigen LernerInnengruppen wesentliche Beiträge zum Gelingen des pädagogischen Auftrags leisten. In pädagogische Aus- und Fortbildungen müssen dafür notwendige Kompetenzen wie interkulturelle und sprachdidaktische Inhalte sowie auch migrationsspezifische Aspekte integriert werden.
Mehrsprachige PädagogInnen
Zum Abschluss der zweitägigen Tagung diskutierten die TeilnehmerInnen der Tagung die Mindeststandards mit VertreterInnen der Politik, Wissenschaft und Praxis. Zur Forderung nach der Erhöhung des Anteils mehrsprachiger Arbeitskräfte in pädagogischen Berufen erklärten sowohl Anton Dobart, Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, als auch Stadträtin Cortolezis-Schlager, dass nicht genügend Personal zur Verfügung stehe. Diese Feststellung stieß bei den TeilnehmerInnen auf Unverständnis. "Wir sitzen fünf Meter vor Ihnen", sagte eine mehrsprachige Lehrerin, die muttersprachlichen Unterricht gibt. Sie verwies damit auf die Situation, dass mehrsprachige PädagogInnen sehr wohl vorhanden sind, diese aber vertraglich den österreichischen Lehrkräften nicht gleichgestellt sind. Vielmehr stehen sie im Vergleich zu österreichischen Lehrkräften in prekären Arbeitssituationen. Die mitgebrachten Qualifikationen von MigrantInnen werden häufig nicht wahrgenommen und ausgebaut. Der seit Jahren bestehenden Forderung nach rechtlicher und dienstlicher Gleichstellung von muttersprachlichen Lehrenden wird nicht nachgekommen.
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