Japan droht nukleare Katastrophe
Weiterführende Informationen zum Thema Japan finden Sie im Anhang: Hier haben wir für Sie Links zur aktuellen Berichterstattung sowie Detailinformationen zu Themen wie Kernkraftwerke, Erdbeben und Tsunami.
Donnerstag 17. März 2011
Die nächsten Stunden könnten entscheidend sein, ob eine Kernschmelze noch abzuwenden ist. Die Kühlung mit Wasserwerfern wertet der Betreiber TEPCO als Erfolg, da Dampf aufgestiegen sei, die Radioaktivität konnte jedoch nicht gesenkt werden. Weiters wird ein Stromkabel verlegt, dass die Kühlung der Reaktoren wieder herstellen könnte. Die Situation abseits der drohenden Atomkatastrophe verschlimmert sich weiters. Die Überlebenden von Erdbeben und Tsunami mangelt es an Wasser und Lebensmittel. Bisher wurden 5.321 Todesopfer bestätigt, an die 10.000 Menschen werden noch vermisst.
Mittwoch 16. März 2011
Obwohl die japanische Regierung den Vorfall rund um das AKW Fukushima 1 zu beschwichtigen versucht, verschärft sich die Situation zunehmend. Kühlversuche mit Hilfe von Militärhelikoptern wurden abgebrochen, jetzt werden Wasserwerfer eingesetzt. Mittlerweile liegen auch die Temperaturen in Block 5 und 6 doppelt so hoch wie normal. Atomexperte Helmut Rauch sieht das bisherige Krisenmanagement des japanischen Atomkonzerns kritisch. Man habe nicht das Gefühl, dass TEPCO die Lage im havarierten AKW selbst in den Griff bekommen wolle, sagte der langjährige frühere Leiter des Atominstituts in Wien im Gespräch mit der APA. Noch deutlicher äußert sich Sebastian Pflugbeil, Präsident der dt. Gesellschaft für Strahlenschutz auf n-tv.de: "Die Anlage ist Schrott - ob die da noch Leute verheizen oder nicht. Und irgendwann wird sie auch die Phantasie verlassen, was man da noch machen kann", sagte Pflugbeil gegenüber n-tv.de. Der Physiker plädiert für ein Abziehen aller Arbeiter. Die Menschen, die vor Ort versuchen, das Schlimmste zu verhindern, seien "arme Schweine". Mit Sicherheit hätten sie jetzt schon erhebliche gesundheitliche Schäden, da sie der Strahlung quasi ungeschützt ausgeliefert seien, denn "Schutzanzüge helfen nicht gegen radioaktive Strahlung".
Folgen für Tokio nicht abzuschätzen
In Tokio wird die Angst der Bevölkerung vor der möglichen radioaktiven Wolke immer größer. Derzeit steht der Wind noch günstig und trägt die Schadstoffe Richtung Pazifik. Laut UNO-Wetterbehörde, könne der Wind aber jederzeit drehen und dann sind die Folgen für Tokio nicht abzuschätzen. Der Großraum Tokio zählt ca. 35. Millionen Einwohner.
Dienstag 15. März 2011
Auch im Reaktor 4 klaffen nun riesige Löcher in der Wand. Sie haben je eine Größe von acht Quadratmetern. Dies meldete der Kraftwerksbetreiber. Auch in den Reaktoren 5 und 6 funktioniert die Kühlung nicht mehr einwandfrei. Nach einer Einstufung aus Frankreich hat der Unfall in Fukushima die zweithöchste Stufe der Internationalen Bewertungsskala (INES). Er wurde mit der Stufe 6 bewertet. Tschernobyl hatte die Stufe 7. Japan bewertet die Störfälle weiter mit Stufe 4. Die Radioaktivität steigt jedenfalls weiter. Die radioaktive Belastung in der Nähe von Tokio steigt nach Angaben der Präfektur von Chiba auf das zehnfache Niveau der üblichen Strahlung, wie die Agentur Kyodo berichtet. In Deutschland gehen wegen der Katastrophe in Japan demnächst sieben AKWs vom Netz.
Montag, 14. März 2011
Japan kommt nicht zur Ruhe. Tausende Tote und Vermisste, Erdbeben, Tsunami, Vulkanausbruch und Atomkraftwerke, die kurz vor der Explosion stehen. Heute Montag erschütterte eine zweite Explosion den Atomreaktor in Fukushima. Ob es nun zu einer Kernschmelze gekommen ist oder nicht ist weiter unklar. Experten kämpfen seit dem schweren Erdbeben am vergangenen Freitag bereits mit massiven Problemen an den Reaktoren 1 und 3 des 250 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen Atomkraftwerks. Der amerikanische Flugzeugträger "Ronald Reagan", der Hilfestellung leisten sollte, wurde wieder abgezogen, nachdem man durch eine radioaktive Wolke gefahren war. Nach aktuellsten Medienberichten sollen die Brennstäbe in Reaktor 2 nun komplett trocken liegen und nicht mehr gekühlt werden.
12. und 13. März 2011
Japan steht offenbar vor einer nuklearen Katastrophe. Nach dem schweren Erdbeben besteht die Gefahr einer Kernschmelze im beschädigten AKW Fukushima. Es wurde bereits erhöhte Radioaktivität gemessen, was für eine Kernschmelze sprechen könnte. Nach der Explosion und dem Einsturz des Daches des schwerbeschädigten Atomkraftwerks Fukushima 1 in Japan ist der Wiener Atomexperte Helmut Rauch überzeugt, dass es sich um einen "Größten Anzunehmenden Unfall" (GAU) handelt. Dies erklärte er im Gespräch mit der APA.
Japanische Regierung: Keine Kernschmelze
Die japanische Regierung muss bestätigen, dass in Folge des schweren Erdbebens aus dem beschädigten AKW Fukushima 1 Radioaktivität entweicht, dementiert aber Berichte, wonach es bereits zu einer Kernschmelze gekommen ist.
Rauch: Keine Handlungsmöglichkeiten
Rauch erklärt im APA-Interview, dass er keine Handlungsmöglichkeiten mehr sieht. "Man kann sich nicht in unmittelbarer Nähe des Reaktors aufhalten. In einer ersten Phase kann man aus der Luft irgendein Material abwerfen, um den Reaktor abzudecken. Das sind keine perfekten Maßnahmen, aber sie hätten den Vorteil, dass man sich dem Kraftwerk wieder besser nähern kann", so Rauch.
Greenpeace sieht Chancen gering
Anti-Atom-Sprecher von Greenpeace Niklas Schinerl sieht die Lage ähnlich wie Rauch. "Wenn die Reaktorkatastrophe zur Realität wird, werden die Möglichkeiten noch einzuschreiten gering. Der Aufruf der Regierung in der Gegend um das AKW Fukushima in die Häuser zu gehen und die Fenster und Türen geschlossen zu halten, zeigt wie hilflos die Behörden in Wahrheit einer solchen Katastrophe gegenüber stehen. Noch dazu sind nach dem Erdbeben Fenster und Türen in vielen Wohnungen wahrscheinlich kaputt", zeigt sich Schinerl ob der tragischen Situation bestürzt.
Berlakovich: Keine Gefahr für Österreich
"Österreich ist nicht gefährdet. Österreich ist sicher und für unsere Bevölkerung besteht keine Bedrohung", verkündete Umweltminister Niki Berlakovich bei einer Pressekonferenz. Berlakovich betonte, dass der Vorfall nicht mit der Atomkatastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren vergleichbar sei. Selbst, wenn sich die Situation weiter zuspitzen sollte, bestünde für die österreichische Bevölkerung keine Gefahr. Österreich habe gestern nach Eintreffen der ersten Meldungen über die atomare Situation in Japan umgehend die Strahlenschutz-Notfallplanung aktiviert, seine Mannschaft stehe rund um die Uhr im Einsatz.
Bildquelle: iStockphoto.com
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