99 Tipps: Anweisungen nicht wiederholen
Frohgemut begrüßt der Lehrer die Klasse und beginnt seinen Unterricht. Zuerst läuft es ganz gut, aber nach einiger Zeit lässt die Aufmerksamkeit der Schüler merklich nach. Selbst der Methodenwechsel kann nicht verhindern, dass ein Schüler in der letzten Reihe mit einem Tennisball herumspielt.
Nachdem der Lehrer zuerst noch nicht reagiert, beschließt er einzugreifen: "Patrick, leg den Ball weg!" Das ist gar nicht schlecht, denn es ist eine klare Anweisung und auch der Tonfall, den man hier nicht hört, ist recht bestimmt. Trotzdem spielt der Schüler weiter mit dem Ball. "Los Patrick, leg endlich den Ball weg!" Der Ton ist einen Tick schärfer, trotzdem keine Reaktion. "Patrick, ich hab dir gesagt, du sollst den Ball weglegen!", ruft der Lehrer, nun mit Zweifel in der Stimme. Ihm ist nicht klar, was er falsch gemacht hat. Seine Anweisung war doch klar und er hat sie mehrfach wiederholt. Warum also reagiert der Schüler nicht darauf?
So eigenartig es klingen mag, aber vielleicht reagiert der Schüler nicht, gerade weil der Lehrer die Anweisung wiederholt hat. Sie haben richtig gelesen: Die Wiederholung einer Anweisung kann dazu führen, dass deren Befolgung erschwert wird. Die logische Konsequenz daraus: Wiederholen Sie Ihre Anweisungen nicht!
Natürlich sollen Sie das Verhalten des Schülers nicht achselzuckend hinnehmen, sondern Ihren Eingriff noch verstärken. Allerdings sollten Sie dafür nicht die gleichen Worte benutzen. Warum nicht?
Wenn man davon ausgeht, dass der Schüler bereits beim ersten Mal verstanden hat, was er tun soll, nämlich den Ball wegzulegen, dann bringt es wenig, den gleichen oder fast gleichen Wortlaut zu wiederholen. Die Wiederholung des Satzes: "Leg den Ball weg!" entwertet die erste Aufforderung und "löscht" sie quasi, weil sie an deren Stelle tritt.
Verstärken Sie Ihre Aufforderung anders:
- "Mach es einfach!"
- "Du hast mich schon verstanden!"
- "Ich wiederhole mich nicht!"
Der Unterschied zwischen der fast wörtlichen Wiederholung oder einer anderen verstärkten Aufforderung ist nicht zu unterschätzen, denn bei der zweiten Variante demonstriert die Lehrkraft den Bestand ihrer Anweisung. Es muss nichts wiederholt werden, was bereits gesagt und verstanden wurde, schon gar nicht, weil ein Schüler aus Bequemlichkeit nicht darauf reagiert und sich taub stellt.
Achtung!
Fallen Sie nicht darauf rein, wenn clevere Schüler eine Wiederholung aus Ihnen herauskitzeln wollen, indem sie fragen: "Was haben Sie gesagt?" Sie können davon ausgehen, dass der Betreffende Sie schon beim ersten Mal ganz genau verstanden hat und es nur darauf anlegt, dass Sie für ihn und alle anderen den Papagei spielen.
Deshalb entgegnen Sie am besten ruhig: "Du hast mich genau verstanden!" Im Notfall können Sie immer noch einen Mitschüler Ihre Anweisung wiederholen lassen.
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