PISA Absturz
Die Ergebnisse der PISA-Studie sind da und gleichzeitig auch die gegenseitigen Schuldzuweisungen, Erklärungsversuche, Anzweiflung der Gültigkeit und die generelle Frage der Sinnhaftigkeit solcher Studien. Fakt ist, dass sich laut PISA-Studie Österreichs Schüler in allen getesteten Bereichen wesentlich verschlechtert haben. Vor allem bei der Lesekompetenz sind die Ergebnisse dramatisch.
Deutliche Verschlechterung der Lesekompetenz
Wurden 2006 noch 490 Punkte erzielt, ist das Ergebnis 2009 um 20 Punkte schlechter. Österreich liegt damit auf Platz 31 unter 34 OECD-Staaten. Im OECD-Ländervergleich liegen beim Lesen nur mehr die Türkei, Chile und Mexiko hinter Österreich. Die höchste Punkteanzahl beim Lesen hat Südkorea mit 539 Punkten, gefolgt von Finnland und Kanada.
Mathematik: Platz 24
In den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften sind die Ergebnisse ein bisschen besser, aber immer noch im unteren Mittelfeld. In Mathematik erzielte Österreich 496 Punkte, 2006 waren es noch 505. Das bedeutet Platz 24 aller Teilnehmerländer.
Naturwissenschaften: Platz 30
In den Naturwissenschaften stehen wir bei 494 Punkten, 2006 waren es noch 511. Damit liegt Österreich auf Rang 30.
Ergebnisse ungültig wegen Boykott?
Die Glaubwürdigkeit der heimischen Ergebnisse sind jedoch mehr als fraglich: Die OECD hatte angekündigt, die Österreich-Ergebnisse seien aufgrund der "negativen Atmosphäre" (Lehrerarbeitszeit um zwei Stunde pro Woche erhöhen) infolge von Boykottaufrufen während der Testphase "nur mit Vorbehalt zu berichten", und "von Vergleichen mit den Ergebnissen früherer PISA-Untersuchungen" für Österreich sei abzusehen. Konkret stößt sich die OECD weniger an den Daten. Doch vermutet die OECD, dass sich der Boykott negativ auf die Motivation der getesteten Schüler auswirkte.
Stimmen aus der Politik
Schmied: "PISA ist ernst zu nehmen"
"PISA ist ernst zu nehmen. Österreich schöpft das Begabungs- und Leistungspotenzial der Schülerinnen und Schüler bei weitem nicht aus. Die PISA-Ergebnisse (die Relevanz der Trendanalyse ist noch im Detail zu prüfen) zeigen einmal mehr die Notwendigkeit der zügigen Umsetzung von begonnenen Reformen im Bildungswesen. Verzögerungen und Blockaden dürfen wir uns nicht leisten", nimmt Bildungsministerin Claudia Schmied zu den heute veröffentlichten Ergebnissen von PISA 2009 Stellung.
Orientieren an Finnland
"Länder wie Finnland sind der Beweis dafür, dass sich der Einsatz lohnt. Wir müssen bedenken, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis Reformen wirken und Ergebnisse sichtbar werden. Als Bildungsministerin trage ich die Verantwortung für unsere Schulen und die beste Bildung und Chancengerechtigkeit für unsere Jugend. PISA 2009 bekräftigt mich, konsequent und hartnäckig für Reformen einzutreten", so die Ministerin.
Enzenhofer zitiert Taschner: "PISA ist ein Zirkus!"
Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer hält einen derartigen Absturz als auch einen raschen Aufstieg in dieser Zeit für nicht möglich. Mögliche Erklärung liegen seiner Meinung nach im Umfeld der Testungen: Gleichzeitig mit den PISA-Fragebögen sind andere umstrittene Fragebögen ausgeteilt worden, die von Schülern und Eltern heftigst abgelehnt wurden (wegen Fragen wie zB.: Schlagen dich deine Eltern?). Auch die Erhöhung der Lehrerarbeitszeit um 10 Prozent ohne Lohnerhöhung leiste laut Enzenhofer seinen Teil zu den schlechten Ergebnissen. Bereits vor den Tests hat es deshalb Forderung gegeben diese auszusetzen und das Geld andersweitig zu verwenden. "Der PISA-Test gilt zur politischen Agitation zur Begründung für oder gegen eine Gesamtschule", erklärt Enzenhofer und verweist abschließend auf eine Aussage von Dr. Rudolf Taschner: "PISA ist ein Zirkus!"
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