Ministerin Karl im Dialog
Wie das österreichische Hochschulsystem künftig finanziert, organisiert und einen höheren Qualitätsstandard erreichen kann, stand im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe "Minister im Dialog", zu der am Dienstagabend Wissenschafts- und Forschungsministerin Dr. Beatrix Karl sowie 950 interessierte Zuhörer in die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich nach Linz gekommen waren.
Hochkarätige Diskussionsrunde
Über Rahmenbedingungen und Herausforderungen diskutierten mit der Bundesministerin: DI Klaus Pöttinger, Präsident der Industriellenvereinigung OÖ, Univ.-Prof. DI Dr. Richard Hagelauer, Rektor der Johannes Kepler Universität Linz (JKU), Julia Sageder, stellvertretende Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) an der JKU, Daniel Zeilbauer, ÖH-Vorsitzender der Fachhochschule Oberösterreich, sowie Gastgeber Dr. Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich.
Hochgesteckte Ziele
Um den Herausforderungen, vor denen das österreichische Hochschulsystem derzeit steht, zu begegnen und Österreich zu einem der besten Innovationsstandorte weiterzuentwickeln, hat sich Karl als zuständige Ministerin zahlreiche Ziele gesetzt: Mehr Absolventen und weniger Studienabbrecher, verstärkter Fokus auf die Qualität, mehr Kooperationen, Ausbau der Fachhochschulen und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Forschung.
Ständige Weiterentwicklung
Verbesserungspotenzial sieht Ludwig Scharinger an den Universitäten bei der Lehre: "Hier müssen wir uns ständig weiterentwickeln und mit der Zeit gehen. Die Studierenden dürfen erwarten, dass das Wissen, das ihnen vermittelt wird, in pädagogisch einwandfreier Form transportiert wird. Daher müssen auch die Lehrenden laufend evaluiert werden." Darüber hinaus sei es höchst an der Zeit, in gewissen Bereichen den veralteten Frontalunterricht durch E-Learning zu ersetzen.
Hagelauer: 250 Millionen fehlen 2013
"Nach 2012 benötigen wir eine Steigerung des Budgets um mindestens 250 Millionen Euro, weil wir die steigenden Kosten nicht ausschließlich mit Mitteln aus der Wirtschaft oder aus der Industrie abfedern können", ist Richard Hagelauer überzeugt. Der Rektor sieht neben der Lehre - "wir haben an der JKU ständige Qualitätsverbesserungen und auch Evaluierungen" – eine der wichtigsten Zukunfts-Aufgaben der Universitäten in der Forschung: "Grundlagenforschung muss an den Unis stattfinden, die Unternehmen machen es nicht mehr. Wenn wir das aus den Augen verlieren, haben wir uns als Wirtschaftsstandort von der Zukunft verabschiedet."
Pöttinger: Mehr Geld vom Bund!
IV OÖ-Präsident Klaus Pöttinger erkennt eine dramatische Schieflage bei der Verteilung der Mittel: "Wir haben in Oberösterreich 25 Prozent der Industrieproduktion Österreichs, wir haben 27 Prozent der österreichischen Exporte. Aber wir bekommen nur 4,86 Prozent der Bundesmittel für Universitäten, und nur sechs Prozent der Bundesmittel für Forschung und Entwicklung gehen nach Oberösterreich." Aber auch beim Einsetzen der Budgets ortet Pöttinger Verbesserungspotenzial. "Wir lernen an den Unis, wie man Kosten sparen kann und wie man effizient mit Mitteln umgehen soll. Die Verantwortlichen an den Unis müssen aber in der Lage sein, die Organisationsprinzipien, die sie uns lehren, auch selbst umzusetzen."
Studentenvertreter: "Nein" zu Studiengebühren
Die ÖH-Vertreter Julia Sageder und Daniel Zeilbauer bekannten sich zu einem klaren "Nein" zu Studiengebühren. "Wenn überhaupt, dann muss gewährleistet sein, dass das Geld wirklich an den Unis bleibt und die Studierenden mehr Mitspracherecht bekommen, was mit den Studiengebühren passiert", so Zeilbauer.












