Österreichs Schulbücher sind schwer verständlich
Dass Schulbücher in Österreich schwer verständlich sind, zeigt eine Untersuchung von 26 Unterrichtsbehelfen aus den Fächern Biologie, Geografie, Geschichte und Sachunterricht. Studienautorin Judith Leitner, die die Untersuchung im Rahmen ihrer Diplomarbeit beim Wiener Erziehungswissenschafter Richard Olechowski durchgeführt hat erklärt, dass in den Büchern teiweise beachtliche Satzlängen erreicht werdem. In vielen Fällen seien die Texte auch um zwei bis drei Schulstufen zu schwer, geht aus der Studie hervor.
Durchschnitt: Sätze mit bis zu 17,5 Wörtern
Leitner hat die Schulbücher mit Hilfe sogenannter Lesbarkeitsformeln untersucht, die vor allem objektiv feststellbare Textmerkmale wie etwa Satzlängen und die Zahl mehrsilbiger Wörter analysieren und die Ergebnisse auf die entsprechende Schulstufe umgerechnet. Dabei zeigte sich, dass "die Schulbuchtexte auf sprachformaler Ebene den als gesichert geltenden Erkenntnissen der Verständlichkeitsforschung kaum entsprechen", erklärt Leitner. Fast alle untersuchten Schulbücher werden als schwer verständlich eingestuft. Es wurden durchschnittliche Satzlängen von bis zu 17,5 Wörtern festgestellt, Sätze mit mehr als 30 Wörtern seien laut der Studie keine Seltenheit.
Erkenntnisse bereits seit 20 Jahren präsent
Die derzeit am Medienhaus Wien beschäftigte Kommunikationswissenschafterin verweist auf ähnliche Untersuchungen österreichischer ExpertInnen, die bereits vor 20 Jahren festgestellt haben, dass Schulbuchtexte zu kompliziert gestaltet sind. "Doch diese Erkenntnisse fanden offensichtlich keinen Eingang in die Schulbuchproduktion", kritisiert Leitner. Denn die Verständlichkeit in Schulbüchern beeinflusse den Lernprozess positiv.
Parallele SchülerInnenbefragung
In einer parallel durchgeführten Umfrage unter 217 SchülerInnen an Haupt- und Sonderschulen gaben die Kinder an, in den schwierigeren Texten doppelt so viele Wörter nicht zu verstehen als in den einfacheren Texten. Letztere wurden auch von der Mehrheit der SchülerInnen bevorzugt, weil sie einfacher zu verstehen seien.
Auch den Schulbüchern für SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf kann kein gutes Zeugnis ausgestellt werden. "Selbst die für Sonderschulen approbierten Schulbücher sind für ihre Zielgruppe zu komplex und berücksichtigen die Bedürfnisse der SchülerInnen kaum", so Leitner abschließend.
Quelle: APA/ZukunftWissen












