Bildungsbericht: Kein besorgniserregender Zustand
"Der Patient ist in keinem wirklich besorgniserregenden Zustand, es gibt aber Bereiche, die der Zuwendung und Pflege bedürfen." Diese Diagnose stellte der Herausgeber des ersten "Nationalen Bildungsberichts" (NBB), Werner Specht, vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) bei der Präsentation des 700-seitigen Werks. So liegt Österreich etwa bei der Zahl der frühen SchulabgängerInnen, die maximal einen Pflichtschulabschluss haben, im europäischen Vergleich sehr gut, allerdings steigt deren Anteil seit 2004 wieder an.
Bereiche, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen
Als Bereiche, die der Pflege bedürfen, nannte Specht die Gesamtsituation der Schule der 10- bis 14-Jährigen und die starke Abhängigkeit des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft. So würden etwa die Zugangschancen zu höheren Schulen bei Kindern, deren Eltern eine Hochschule abgeschlossen haben, um das 25- bis 30-fache höher liegen als von Kindern, deren Eltern nur eine Pflichtschulbildung haben. Die Ursachen für die Probleme, die SchülerInnen in der Hauptschule und AHS-Unterstufe haben, sind laut den ExpertInnen unter anderem die frühe Auslese, die Tendenz zur Bildung von "Restschulen" und "Restklassen", eine ausgeprägte Chancenungleichheit, nachteilige Begleitfolgen der Leistungsgruppen und die Entstehung von Risikogruppen.
Einigkeit bei den AutorInnen
In einem Punkt waren sich die AutorInnen des Berichts einig: "Wir wissen noch viel zu wenig über die österreichische Schule", so Mitautorin Christiane Spiel, Bildungspsychologin an der Uni Wien. "Das Schulsystem sei unglaublich heterogen und komplex. Einzelne Maßnahmen würden kaum Verbesserungen bringen", betonte Mitautor Martin Hartmann vom Institut für Schulforschung an der Uni Innsbruck.
Laut dem Bildungsbericht wisse man auch über die Lehrkräfte noch zu wenig. Es konnte etwa nicht erhoben werden, wie viele fachfremde LehrerInnen im Bereich Naturwissenschaft unterrichten, betonte Konrad Krainer vom Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Uni Klagenfurt. Die Kompetenz von Lehrkräften sei aber ein entscheidender Faktor für das Interesse und die Freude der SchülerInnen an Gegenständen wie etwa Chemie, Physik und Mathematik - Fächer, in denen Österreich bei PISA Schlusslicht ist und die sicher auch Auswirkungen auf das nur durchschnittliche Abschneiden Österreichs in Mathematik und Naturwissenschaften bei PISA haben, so die AutorInnen.
Nächster Bildungsbericht in drei Jahren
Der nächste Bericht soll in drei Jahren erscheinen, wobei die ExpertInnen dabei thematische Schwerpunkte der Bildungspolitik in den Fokus stellen wollen. Für Schmied ist der NBB eine wesentliche Grundlage für die bildungspolitische Arbeit und ein Schritt zu einer Versachlichung der bildungspolitischen Diskussion.
Quelle: APA-ZukunftWissen












