Einführung
Modest Mussorgsky wuchs mitten im 19. Jahrhundert als Sohn einer russischen adeligen Familie auf. Er hatte ein Kindermädchen, eine Njanja, die ihm Geschichten, russische Märchen wie das von der Hexe Baba Yaga erzählte. Dazu kam strenger Klavierunterricht von einer deutschen Klavierlehrerin. Mussorgsky sollte Offizier werden. Als Student schloss er sich mit anderen Komponisten wie Nikolai Rimski-Korsakov und Alexander Borodin zusammen. Sie brachten sich das Komponieren selber bei, ließen ihre Stücke von Mili Balakirew, einem gleichaltrigen Musiker korrigieren. Auch der Maler und Architekt Viktor Hartmann gehörte zu ihrem Freundeskreis. Sie diskutierten viel darüber, wie die Musik wieder russischer werden könnte und frei von diesen polnischen, deutschen und tschechischen Musik-Beamten in den neuartigen Musikkonservatorien in Moskau und St. Petersburg.
So entstand "Bilder einer Ausstellung"
Mussorgsky suchte verzweifelt nach russischen Themen. 1873, als sein Freund Viktor Hartmann starb, war er physisch und psychisch schwer angeschlagen. Deshalb traf ihn der Tod seines Freundes besonders hart. Ein Jahr später gab es eine Gedächtnisausstellung für Viktor Hartmann mit seinen Zeichnungen, Skizzen und Bildern. Die Bilder waren für Mussorgsky Inspiration, vermischten sich mit Kindheitserinnerungen und mit seiner unendlichen Fantasie. So entstand der Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung". Es ist Mussorgskys bedeutendste und wirkungsvollste Komposition für das Klavier. Die Aneinanderreihung kurzer völlig unterschiedlicher Stücke war für die Zuhörer damals etwas total Neues. Die Bilder verbindet er genial mit einer sogenannten Promenade. Einem Spaziergang durch die Ausstellung.
Maurice Ravel befand sich 1922 in einer persönlichen Krise. Es ging ihm nicht gut. Durch Bearbeitungen von Klavierstücken vermittelte er den Eindruck, dass er kompositorisch höchst aktiv sei. Diese Bearbeitungen gingen ihm eigentlich gut von der Hand, aber für die "Bilder einer Ausstellung" musste er sich zurückziehen, weil sein Haus von den namhaftesten Künstlern seiner Zeit bevölkert wurde. So kamen Pablo Picasso, Igor Strawinsky oder auch Sergej Prokofieff fast täglich auf einen Kaffee vorbei. Er kleidete die Klavierstücke in ein farbenprächtiges glänzendes aber auch dunkel bedrohliches Gewand. Die Bilder wurden so zu einem seiner Meisterwerke.
Viele Komponisten erkannten die unglaubliche Kraft, Farbigkeit und Brillanz der Bilder und machten Bearbeitungen davon. Durch die Orchesterfassung von Maurice Ravel wurden sie erst richtig berühmt und gehören nun zu den meistgespielten, effektvollsten Lieblingsstücken der Orchester auf der ganzen Welt.
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